10 Sekunden

Es scheint verrückt eine Saison auf wenige Sekunden zu reduzieren, doch am gestrigen Abend ist genau das geschehen. In einem hochklassigen Duell auf Augenhöhe, vor der würdigen Kulisse von 1786 Zuschauern, musste sich der AEC dem alten und neuen Meister aus Bremen mit 2:3 geschlagen geben.

Es ist die 60. Spielminute. Der AEC ist in Unterzahl und befördert den Puck unter tobenden Applaus aus dem eigenen Drittel in die Gästehälfte. Maxim Jar, Goalie der Weserstars, will das Spiel schnell machen, übersieht dabei aber den quirligen Miika Kiviranta, welcher unmittelbar in seinen Pass läuft. Der Puck, hoch in der Luft trudelt, trudelt unerbittlich auf das verwaiste Tor der Bremer zu. Doch einem Verteidiger der Gäste, gelingt ein Hechtsprung und die Rettung auf der Linie die ein Manuel Neuer wohl nicht besser hätte hinbekommen können. Ein Raunen geht durch die Halle. Bremen hat wieder den Puck, der AEC ist ein wenig unsortiert. Jurcik über den rechten Flügel, Pass auf links zu Igor Schön, Direktabnahme, Tor. Aus. Vorbei. Bremen ist Meister.

Die vorangegangenen 59 Minuten sind schnell erzählt. Adendorf begann druckvoll, kassierte aber auch die erste Strafe. Prompt folgte die kalte Dusche. Naguschewskis Schuss von de Blauen fälschte Gluchich ab und der Puck fiel unhaltbar hinter Bierzahn ins Netz. Doch das Team von Coach Dieter Kinzel ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Erste Strafe gegen Bremen, Powerplay AEC und Denny Böttger besorgt den verdienten Ausgleich. Das Abtasten war damit endgültig vorbei, aber beide Teams neutralisierten sich in der Folge durch konsequentes Defensivspiel.

Im Mitteldrittel griff dann Schiri Apel ein wenig mehr durch, der AEC daher erst in Unterzahl welche man folgenlos überstand. Dann kassierten aber die Bremer. Der Gastgeber, zeitweise in doppelter Überzahl, versäumte jetzt das 2:1 zu erzielen und machte einen Fehler zu viel. Die Weserstars konterten 2 auf 1 und Gluchich ließ Bierzahn wieder keine Chance. Der AEC schien kurzzeitig angeknockt, konnte sich aber wieder fangen. Pausentee.

Der AEC kam mit dem Willen aufs Eis die Partie noch zu drehen, ließ sich auch vom etwas den Überblick verlierenden Schiedsrichtergespann aus dem Konzept bringen. Bremen hingegen stand tief und hoffte den entscheidenden Konter setzten zu können. Die Heidschnucken hatten damit ihre Probleme, kamen zwar immer wieder ins gegnerische Drittel, aber eine echte Torchance wollte sich gegen die taktische Ordnung der Gäste nicht ergeben. So fiel der Ausgleich für den AEC dann doch etwas überraschend. Leon Arved Zawadzki´s Handgelenkschuss fälschte Leif Buckup ab. Die Halle tobte und der AEC lebte wieder. Die kurz darauf folgende Unterzahl überstand man schadlos, um nun die Regie auf dem Eis zu übernehmen. Bremens Keeper Maxim Jar rückte immer öfter in den Fokus, wenn auch Bremen durch Igor Schön fast ein Kontertor zu erneuten Gästeführung gelungen wäre. Doch die Uhr tickte unaufhaltsam herunter, ohne das sich ein Torerfolg auf beiden Seiten einstellen wollte. Als sich dann viele schon mit der Verlängerung abgefunden hatten, bewies Schiri Apel äußerst wenig Fingerspitzengefühl. Er schickte Leif Buckup 65 Sekunden vor Ende in die Kühlbox, wobei der Grund äußerst diskutabel bleibt. Denny Böttger diskutierte zu viel und durfte anschließend Duschen gehen. Es brach die 60. Spielminute an.

Bleibt nur noch eines: Unsere Glückwünsche an den Meister nach Bremen zu senden. Zwar mag es auch auch für den ein oder anderen unfair erscheinen, dass die beste Offensive und Defensive der Liga, welche beide vom AEC gestellt werden, am Ende nicht den Platz an der Sonne erobern konnte, doch der Meister steht am Ende nicht umsonst an der Spitze. Heute Abend haben sich die zwei dominierenden Teams der Regionalliga auf Augenhöhe getroffen und vor eine tollen Kulisse ihren Sieger gefunden, der das nötige Quäntchen Glück hatte. Glückwunsch Weserstars Bremen!

Christian Schult für www.adendorfer-ec.com


 

Adendorfer EC – Weserstars Bremen 2:3 (1:1, 0:1, 1:1)

Tore:

(05:44) 0:1 Gluchich (Naguschewski, I.Schön, 5-4PP)

(07:53) 1:1 Böttger (Schneider, Kulabuchov, 5-4PP)

(34:46) 1:2 Gluchich (I.Schön, P.Schön, 4-5SH)

(48:39) 2:2 Buckup (Kulabuchov, Zawadzki)

(59:38) 2:3 I.Schön (Jurcik, 5-4PP)

 

Für den AEC auf dem Eis:  Bierzahn – Alexander, Lorenz, Daum, Zawadzki, Schneider, Krützfeldt – Kiviranta, Behrens, Böttger, Engel, Laudan, Garbe, Dubbe, Buckup, Kuszka, Piechutta, Kulabuchov, Szygula

Zuschauer: 1786

Schiedsrichter: Apel (Ehlers, Holst)

Strafen: AEC 12 + 10 Min. Disziplinarstrafe für Denny Böttger (59.) wegen Reklamierens + 10 Min. Disziplinarstrafe für Andreas Bierzahn wegen Reklamierens (60.) / WST 18 + 10 Min. Disziplinarstrafe für Anton Gluchich wegen Reklamierens (46.)

PP: AEC 1/7 – WST 2/5

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