Servus
"Servus" ist im bayerischen nicht nur sinnbildlich zur Begrüßung gebräuchlich. Auch zum Abschied darf diese Grußformel Anwendung finden. Es passt in diesem Fall - wobei der Adendorfer EC eigentlich lieber ein "auf Wiedersehen" an Mitch Pohl senden würde.
Jener Michael "Mitch" Pohl hat in der abgelaufenen Saison der Eishockey-Regionalliga Nord beim Adendorfer EC Eindruck und große Fußstapfen hinterlassen. Als Headcoach drückte er dem Team schnell seinen Stempel bzw. sein defensiv orientiertes Spielsystem auf. Akrebie und harte Arbeit verlangte der Rosenheimer dabei gleichermaßen von seinen Spielern wie auch von sich selbst. Mit beachtlichem Erfolg. Schließlich zeigte der AEC über weite Phasen erfolgreiches Eishockey, erreichte mit nur zwei Punkten Rückstand auf den späteren Meister EC Harzer Falken Platz zwei in der Hauptrunde.
Nach dem bitteren Saisonaus gegen die Crocodiles aus Hamburg im Halbfinale der Play-Offs nahm Mitch Pohl sich zwei Wochen Zeit, um die abgelaufene Saison zu analysieren und seine weitere Zukunft im Club zu überdenken. Unter anderem hinsichtich der räumlichen Lage - sein Lebensmittelpunkt liegt nördlich von Lübeck - eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Am vergangenen Wochenende hat Mitch Pohl schließlich die AEC-Verantwortlichen Kevin Matheja und Vadim Kulabuchov darüber in Kenntnis gesetzt, dass er sein vorliegendes Angebot für die kommende Saison werde ausschlagen müssen.
Mitch Pohl betont, dass er sich einem Job ganz oder garnicht verschreibe. Dass dies in seinem Fall keine Floskel ist, zeigte er beim AEC eindrucksvoll in der gesamten Saison. Und obwohl ihm die Arbeit beim Adendorfer EC unverkennbar riesige Freude bereitet hat, kann er in den kommenden Monaten aufgrund privater Umstände das notwendige Pensum, das für sein Amt nötig wäre, nicht versprechen: 'Betrachtet man die Entwicklung der Liga, die wieder einen großen Schritt gemacht hat, ist es nötig, ganz und vollkommen für den Erfolg zu arbeiten', betont Pohl. '"Da das Team und die großartige Organisation volle Hingabe verdienen, die ich in nächster Zeit nicht mit absoluter Sicherheit garantieren kann, muss ich schweren Herzens diesen Schnitt machen."
Dabei berichtet er, wie sehr ihm die Arbeit mit seinen Jungs am Herzen liege. Trotz des nur einjährigen Engagements seien die tägliche Arbeit mit dem Team und der Adendorfer EC insgesamt für ihn zu einer Herzensangelegenheit geworden. "Es gab nicht einen Tag, an dem ich nicht mit Vorfreude in mein Auto in Richtung Adendorf gestiegen bin", ergänzt er, trotz der im Laufe der Saison mehreren zehntausend Kilometer Strecke. Auch die Fans behält der Bayer in Erinnerung und geht dabei erneut auf den Saisonbeginn ein. Vom Moment, als während der dritten Trainingseinheit unangekündigt rund 120 AEC-Fans ins Walter-Maack-Eisstadion stürmten und während der gesamten Trainingseinheit lautstark ihr Team anfeuerten, schwärmt Mitch Pohl, der viele Jahre in der Bundesliga bzw. DEL gespielt hat, immer noch.
Die Verantwortlichen des AEC stehen derweil vor der Herausforderung, einen geeigneten Nachfolger zu finden. 'Durch Mitchs und die vom gesamten Club geleistete Arbeit ist der AEC eine attraktive Adresse im norddeutschen Eishockey. Auch, wenn wir mit Mitch sehr gern verlängert hätten, sind wir optimistisch, einen ähnlich ambitionierten und fähigen Trainer ausfindig zu machen, der dem AEC nach Möglichkeit den letzten Feinschliff verleihen kann', hofft Geschäftsführer Kevin Matheja. Die Trainerposition ist schließlich auch (mit) entscheidend für die personelle Ausrichtung auf dem Eis.
Das Führungsteam des AEC um Kevin Matheja und Vadim Kulabuchov möchte sich auch auf diesem Weg nochmals bei Mitch Pohl für die geleistete Arbeit und die gesetzten Impulse bedanken und ihm persönlich die besten Wünsche mit auf den Weg geben. Mit seiner Expertise, seinem Eishockeyverständnis, aber auch mit seiner Art hat Mitch dem Adendorfer EC auf mehreren Ebenen ein Gesicht gegeben. Insofern hofft man beim AEC früher oder später vielleicht doch eben auf ein Wiedersehen. Und wenn es nur der eine oder andere Besuch eines AEC-Spiels wird: Im Walter-Maack-Eisstadion würden sich sicherlich viele über einen Besuch des bayerischen Norddeutschen freuen.